PCLinuxOS 2007 war für mich eine ziemliche Überraschung. Diese Distribution scheint die Welt (vor allem die USA) im Sturm zu erobern. Wenn man den Reviews Glauben schenkt, ist dies der erste wirklich ernstzunehmende (freie und kostenlose) Desktop Windows-Ersatz und Ubuntu muss sich warm anziehen! Nun, wir werden dies bald genauer wissen. Gemäß Distrowatch jedenfalls liegt sie schon seit Monaten auf Platz 1 der Distributions-Charts, deshalb musste ich einfach mal einen Blick auf diese “kleine” Distro werfen. Sie wird von der texanischen Firma PCLinuxOS in Houston entwickelt (hauptsächlich durch Bill Reynolds aka Texstar) und frei zur Verfügung gestellt.
Erster Eindruck vom Desktop
Der Desktop ist keine Schönheit, aber auch nicht hässlich. Zweckmässig trifft es wohl am ehesten. Aufgeräumt ist er auf jeden Fall, was das Arbeiten sehr angenehm macht. Es befinden sich nur die wichtigsten Elemente auf der Oberfläche und der Menüleiste. Das Abfalleimersymbol mag etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen. Der Webbrowser Firefox ist die einzige Applikation, die sich in der Menüleiste befindet. Der Rest sind Konfigurationsbuttons und die Standardbuttons (Startmenü, Heimatverzeichnis)
Installation
Um vorab zu klären, ob die eigene Hardware auch unterstützt wird, existiert eine Hardware-Datenbank, die in Form von Postings von Benutzern (Registrierung erforderlich) die Hardware auflistet, auf der PCLinuxOS problemlos oder die Tips enthält, wie man sie zum Funktionieren bringt. Allerdings solle dies heutzutage nur noch bei nigelnagelneuer Hardware ein Problem darstellen, wenn überhaupt.
Konfiguration
Die Konfiguration ist eine der Hauptstärken dieser Distribution. Beim installierten System gestaltet sie sich sehr einfach, da sie fast komplett über das distributionseigene zentrale Administration Center erledigt wird. Da außerdem Administratorenrechte (also das Rootpasswort) benötigt werden, wird ein Desktopbenutzer gar nicht erst mit der Systemkonfiguration belästigt. Am einfachsten gelangt man über den Menüleisten-Button links von Firefox zum “Administration Center”. Alternativ geht das auch über das KDE-Menu => “System” => “Configure this system”. Dies führt uns zu einer Gesamtansicht, die sich sehr angenehm anfühlt und kohärent erscheint. Dort findet man alle Einstellungen die das Administratorherz begehrt. Das Einbinden von Samba- und NFS-Resourcen und die Druckereinrichtung beispielsweise sind so einfach handzuhaben wie in Windows.
Ich konnte noch längst nicht alle Administrationsfunktionen testen. Bis jetzt funktionierte aber alles sehr stabil und zuverlässig. Einzig die Fehlermeldungen könnten etwas außagekräftiger sein. Es lassen sich auch einfach Serverfunktionen konfigurieren, falls dies gewünscht ist: Webserver, NFS- und Sambaserver, FTP-Server etc. Allerdings wird bei vielen dieser Funktionen Software nachinstalliert (automatisch), was problemlos funktioniert, solange kein zweiter Prozess wie z.B. Synaptic auf die Paket-Datenbank zugreift. In diesem Fall schlägt die Installation ohne Fehlermeldung fehl, was nicht gerade schön ist.
Die Hardware wird selbstverständlich auch über dieses Administration Center konfiguriert (wenn es denn nötig sein sollte). Toll ist, dass auch fortgeschrittene Funktionen (VPN, Firewall) verfügbar sind.
Dem Benutzer ohne Administratorenrechte steht das übliche KDE-Control-Center zur Verfügung (der Button links vom Administration Center).
Die Sicherheit kommt auch auf einer Desktop-Distribution wie PCLinuxOS nicht zu kurz: Personal Firewall mit sehr einfachem Setup. Es gibt außerdem eine Art “policy”, die grob und fein einstellbar ist. Diese beinhaltet verschiedenste Sicherheitsmechanismen, wie z.B. Rootkit-Detection, Checks ob versch. Dateien lesbar sind (Stichwort shadow), Netzwerkschutz (z.B. vor Broadcast-Pings) und vieles mehr. Als dritte Funktion ist “Feintuning” möglich, womit sich übersichtlich die Rechte von beliebigen Verzeichnissen einstellen lassen, also eigentlich nichts anderes als ein chmod schön verpackt.
SELinux oder AppArmor kommen hier nicht zum Einsatz und das ist auch gut so, denn beide sind nicht einfach zu bedienen und gehören in die Serverlandschaft.
Package-Management & Software
PCLinuxOS verwendet RPM-Packages, welche mit APT als Softwaremanager am bequemsten über das Synaptic GUI gesteuert werden. Ein Software-Update gestaltet sich dadurch denkbar einfach. Was jedoch fehlt, ist eine Erinnerungprogramm, welches die Verfügbarkeit neuer Updates meldet, wie etwa bei Ubuntu und Fedora.
Serverfunktionen sind in der Grundinstallation nur sehr beschränkt installiert, aber es handelt sich ja schließlich auch um ein echtes Desktop-Linux.
Tools
Ein äußerst nettes Feature von PCLinuxOS ist das Skript namens “mklivecd”, welches erlaubt, aus einer bestehenden Installation dieser Distribution auf einer Harddisk, alle Daten inklusive Konfigurationen und Heimatverzeichnisse in Form eines ISO-Images für eine Live-CD zu speichern. Brennt man dieses ISO-Image auf eine CD, ermöglicht es dem Benutzer dadurch quasi, seine “Arbeitsstation” auf überallhin mitzunehmen und ohne Installation als LiveCD bei jedem beliebigen PC zu verwenden. Ausführlich getestet habe ich dies allerdings noch nicht Nach verschiedenen Tests kann ich bestätigen, dass dies perfekt funktioniert. Es eignet sich hervorragend, um angepasste Installationen zu erstellen mit VMWare oder Virtualbox. So kann man beispielsweise so viel wie möglich auf Deutsch umzustellen und zusätzliche Pakete installieren. Dies wird dann zu einem ISO-File gepackt, welches auf CD oder DVD gebrannt wird. Mit diesem Datenträger in der Tasche kann man dann zum Beispiel Vater’s PC installieren mit allem Drum und Dran, ohne noch etwas konfigurieren oder nachinstallieren zu müssen.
Die von PCLinuxOS standardmäßig installierten Programme lassen zudem keine Wünsche offen: Openoffice, amaroK, Gimp, Mplayer, K3b und viele weitere sichern den Anspruch auf Windows-Ersatz nahezu vollumfänglich. Natürlich sind via Synaptic noch hunderte weitere Programme erhältlich, falls dies gewünscht wird. Aber zum Glück wird der Benutzer nicht zum Beispiel durch eine Auswahl von 15 Videoplayern verwirrt, sondern man entschied sich in allen Sparten für ein paar sehr gute und aktuelle Programme.
Multimedia
Die meisten Codecs (mp3, avi, mpeg) sowie Flash sind bereits vorhanden. Dies mag patentrechtlich bedenklich sein. Wenn allerdings sogar diese amerikanische Distribution diese Codecs ausliefert, sollten wir als europäer noch weniger Bedenken haben. Zumal es nach so vielen Jahren immer noch kein entsprechendes Urteil gegeben hat und es vermutlich auch nie eines geben wird. Ausserdem ist genau dies eines der Argumente, weshalb viele Benutzer Linux als “zu kompliziert” empfinden. Man will nicht nachträglich Codecs installieren müssen mit irgendwelchen komplizierten Tools oder noch schlimmer; mit Befehlszeilen-Kommandos, nur damit die MP3-Sammlung abgespielt werden kann, oder youtube im Browser funktioniert.
3D-Desktop
Die mittlerweile obligaten 3D-Funktionen können wahlweise über die Konfiguration oder die Auswahl von “drak3d” als Fenstermanager aktiviert werden, wenn der entsprechende Grafikkarten-Treiber es zulässt. Bei Nvidia & ATI muss natürlich jeweils erst der proprietäre Treiber installiert werden, dies ist aber durch Synaptic ganz einfach machbar auch für Linux-Neulinge.
Daten in Kürze:
- Homepage: http://www.pclinuxos.com
- Größe als ISO-Image: 698 MB (1 CD) / Dekomprimiert 2GB
- Kernel: 2.6.18
- LiveCD Funktion: Ja
- Sprache: Vorerst nur Englisch (KDE kann jedoch mit i18n-Paketen um andere Sprachen erweitert werden)
- Abgeleitet von: Mandriva
- Package-Management: APT (mit RPM Paketen) mit Synaptic als GUI
- Release-Zyklus: ca. jährlich
- Standarddesktop: KDE
- 3D-Desktop: drak3d (standardmäßig deaktiviert)
- Kosten für Updates und Support: Keine (Forum)
- Lizenz: GPL v2 (zumindest größstenteils)
- Exakte Installationsanleitung
Die erwähnte Installationsanleitung zielt darauf ab, einen Windows-Arbeitsplatz komplett zu ersetzen und existiert auch für andere Distributionen. Mit dem Release von Vista wurde das Szenario des Windows-Ersatzes sowohl für Apple als auch für verschiedene Linux-Distributionen viel realistischer (Danke, Microsoft!).
Fazit
Pro: |
Kontra: |
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Ich bin begeistert! Es ist eine wunderbare Arbeit, die die Texaner hier abgeliefert haben. Man darf ganz bestimmt so weit gehen und sagen, PCLinuxOS ist der Weg, den Linux gehen muss und gehen wird, wenn es zu einer größeren Anzahl Desktopinstallationen neben OSX kommen soll. Die Zeit dafür ist reif, denn sehr viele Windows-Benutzer sind unzufrieden mit der Geißel Vista. Der Benutzer wird bei PCLinuxOS 2007 bei vielen Gelegenheiten sachte an die Hand genommen. Die Entwickler konzentrierten sich hier ganz klar auf Einfachheit, nicht auf Serverfunktionen und Glitzerpulver. Das ist für eine Desktop-Distribution auch das einzig Richtige! Die Administratorfunktionen sind aber trotzdem zugänglich oder zumindest nicht schwierig zu begreifen, auch wenn der Administrator selbst keine große Linux-Erfahrung hat.Ich glaube, dass PCLinuxOS 2007 auch in Europa Erfolge verbuchen wird. Allerdings sind dafür entsprechende Übersetzungen vonnöten. Dies ist für mich tatsächlich die erste freie und kostenlose Distribution, die Out-of-the-box ohne größere Probleme als Windows-Ersatz verwendet werden kann. Sie ist extrem einfach in 5 bis 10 Minuten zu installieren. Die LiveCD-Funktion und die Konfiguration sind äußerst ausgereift und stabil, was ja immer noch nicht ganz selbstverständlich ist heute. Bei der nächsten Desktop-Installation von mir dürfte es Kubuntu ersetzen. Ob es auf Notebooks auch so reibungslos läuft, konnte ich noch nicht ausprobieren. Es sollte aber nicht mehr Anpassungsarbeit vonnöten sein als bei Windows. Das Aussehen des Standarddesktop ist einfach und zweckmäßig. Letztendlich überzeugt mich auch die einfache Handhabung und Konfiguration. Wer also Linux bei Verwandtschaft, Freunden etc. ohne Ärger und viele Supportanfragen installieren will, sollte zu PCLinuxOS 2007 greifen. Lediglich Englischkenntnisse sind vorauszusetzen, solange es noch keine deutsche Übersetzung der Distrubutionsspezifischen Programme und Funktionen gibt. Einen Vergleich mit dem kommerziellen Linspire kann ich mangels Besitz desselben nicht liefern, ich möchte ohnehin keine rein kommerziellen Distributionen testen. Dafür könnte Linux Mint ein ebenbürtiger Gegner sein vor allem im europäischen Raum, da es Ubuntu-basiert ist. Deshalb wird der nächste Testkandidat Linux Mint sein. Allerdings wird es schwer sein, die Einfachheit dieser Distribution zu schlagen. Ich freue mich schon darauf.
Bewertung
5 von 6 Pinguinen! Gratuliere!





hallo,
ergänzend dazu:
* Offizielle Version vorerst nur in Englisch verfügbar (KDE Deutsch Paket ist nachinstallierbar)
—->die offizielle deutsche version gibt es hier: http://www.pclinuxos.de/doku.php
p.s.
die community von pclinux.de ist äussert freundlich und hilsfbereit.
* Keine Benachrichtigung bei verfügbaren Updates
—->sicherlich, man muss nur wissen wie-ein weg ist den smart paketmanager zu installieren.
für den apt gibt es genügend anleitungen/scripte sogar für automatische und zeitlich gesteuerte updates
mfg
hugo mit nase :o)
Dann trage ich auch was dazu bei:
–>Allerdings sind dafür entsprechende Übersetzungen vonnöten.
Ich und meine Community Freunde (ja ihr sieht, wie freundlich wir sind
) entwickeln gemeinsam an einem Skript Namens “PCLinuxOS Translator”. Damit wird es in sehr naher Zeit möglich sein, PCLinuxOS in jede beliebige Sprache zu lokalisieren. Mit Ausnahme von englischen Programmen, für die es keine Sprachpakete bzw. Einstellmöglichkeiten gibt.
Und hier gelangt ihr zum “PCLinuxOS Translator”-Skript:
http://www.pclinuxos.de/smf/index.php?topic=3198.0
(Es ist noch nicht ausgereift aber ich arbeite intensiv dabei - auch wenn’s für den einen oder andern nicht so professionell “programmiert” ist, erfüllt es seinen Zweck.)
Mit freundlichen Grüßen:
LinuxFanatic
Sehr gut! Ich war etwas überrascht, soviele Reaktionen zum Thema “Sprachunterstützung” zu bekommen. Versteht mich bitte nicht falsch, das war ja eigentlich nur ein kleiner Kritikpunkt für eine ansonsten nahezu perfekte Distribution, der durch ein paar Paketupdates zu beheben ist. Aber mit Eurer Arbeit macht Ihr die Distribution natürlich noch erfolgreicher im Deutschen resp. internationalen Raum.
[...] was ich nicht gut übernehmen konnte, waren die Kommentare. Da es aber bisher nur beim Artikel “Linux-Distributions Test Nr. 1: *** PCLinux OS 2007 ***” viele davon gab, habe ich sie separat als Artikel [...]